In Dietzenbach - Karl Heinz Wagner- Leidenschaft zur Kunst

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

In Dietzenbach



In Dietzenbach steht ein Bauernhaus

von Grete Adam- Jäckel


Eindrücke von einem kurzen Besuch bei Karl Heinz Wagner, dem Komotauer Maler und Grafiker, der am 24.Mai 1985 seinen 60. Geburtstag feiert. Die Oase der Zuflucht und des Friedens hat er sich mit reichlich Geduld seiner vielseitigen, unauffällig bescheidenen, vornehmen, von Gemütstiefe und Innerlichkeit getragenen, stillen und doch überzeugenden Art für sich selbst und seine Familie geschaffen.

Eine unvoreingenommene Besucherin seiner groß angelegten, erfolgreichen Ausstellungen stellte einmal die Frage: "Warum liegt über den Farben all seiner Bilder ein Hauch von Wehmut ? Fast niemals sieht man ihn lächeln..... Ist Wagner eine trauriger Mensch ? Hinter der Ruhe, die wohltuend ausstrahlt, verbirgt sich eine Gelassenheit, die den Maler sympatisch macht. Humor, den leisen, feinen Humor besitzt er trotz seiner Verhaltenheit. Dass das Leben ihn stille gemacht hat- wen wird das verwundern ?

K.H.Wagner bei
2 seiner Bilder
Die Galerie
Bauernhaus- Hofansicht
Weihnachtsausstellung
Lang und beschwerlich war der Weg des schon in früher Kindheit mit dem Zeichenstift und der Farbe verfallenen kleinen Buben aus der "unteren Stadt", wo die Gassen etwas weniger breit und kaum gepflastert waren, die Häuser anspruchslos sauber, die Menschen gutnachbarlich vertraut, einfach, bescheiden, hilfsbereit. Die Ebene begann dort und es spiegelte sich eine fleißige, geruhsam durchpulste andere Welt als in der "oberen Stadt" .
Wie viel Stationen gab es auf dem Weg von der Vertreibung aus der sudetendeutschen Heimatstadt am Fuße des Erzgebirges durch die deutschen Lande, wie viele Ruhepausen, Anstrengungen , Entbehrungen, Enttäuschungen, ehe hier in der Nähe von Frankfurt 1964 das Haus gefunden worden war, das nun die Beschaulichkeit und Ruhe in sich birgt, die ein Freischaffender benötigt, um ungestört arbeiten zu können. In unermüdlicher, liebevoller Kleinarbeit wurde das Fachwerk zum größten Teil freigelegt. Zu tun ist noch mancherlei.
Schäfergasse 16... Das breite Hoftor verrät die wirkende Hand des gestaltenden Künstlers. Der geräumige Hof, dahinter der Hausgarten heißen den Besucher willkommen. Fern ist die Großstadt mit der lärmenden Hast, dem Getriebe und Geschiebe, das bedrückt und lähmt. Hund und Katze fehlen nicht.
Der ehemalige Kuhstall ist zur 
Kulturreferent Walter Kult
vom Heimatkreis Komotau
trägt vor
Altbürgermeister Heyer mit Gattin
weißgetünchten, geräumigen, freundlichen Galerie geworden. Die schwarzen Eisenringe von der Viehhaltung sieht man noch im Gemäuer.In- und ausländische Künstler gaben geben sich hier so manches beglückende Stelldichein. Der 
Freundeskreis ist groß.
Die eine Tür nach außen wurde zugemauert. Die Nische wurde zur Ausstellungsvitrine. Hinter Glas stehen Auszeichnungen, Pokale,
Diplome, Preise, die Karl Heinz Wagner in ehrender Weise zugedacht wurden. Immerhin hat er sich an nahezu zwanzig Ausstellungen 
Aufmerksame Zuhörer
beteiligt, fast ebenso viele eigene Ausstellungen ausgerichtet, Publikationen herausgebracht, Studienreisen nach Spanien, Italien Holland durchgeführt.
Wer Karl Heinz Wagner nicht oder noch nicht kennt, wer sich orientieren möchte, der beschaffe sich die Monographie von Karl Norbert Mrasek über den Maler und Grafiker Karl Heinz Wagner. Die zweite erweiterte Auflage enthält Auszüge aus Kritiken, eine Kurzbiografie, 43 Bildproduktionen. Dass Wagner im Kreis der Frankfurter Künstler und in der Heusenstamm- Stiftung einen ehrenden Platz einnimmt sei besonders erwähnt. Ein Bauernhaus, gewiss. Doch nicht so, wie man es sich in der Vorstellung träumt, von Wald, Feld, Wiese und Acker umgeben. Es steht inmitten des Ortes, ausgebaut, verbessert, verschönert, den Bedürfnissen angepasst. Ein richtiges Zuhause. Man fühlt sich geborgen. Man ist willkommen.
Karl Heinz Wagner und seine Frau Lilo haben jeden Raum, jeden Winkel den Stempel ihrer Persönlichkeit aufgedrückt.
Unwillkürlich sucht man Motive aus der alten Heimat. Findet sie auch, wenn man auf Erinnerungsstücke aus der Vergangenheit hingewiesen wird. Hie und da eine leere Wand. Kein Bild ? Die fehlenden Gemälde sind zur Zeit unterwegs, wandern durch Galerien und Ausstellungen.
Das Gespräch tröpfelt nach dem einfachen, heimatlich vorzüglichen Mittagessen dahin. Das Wohnzimmer, wie alle anderen Räume, ist nicht allzu hoch, deshalb gemütlich. Gedankenverloren durchblättert man nochmals die Mappen mit den Zeichnungen des Landkreises Komotau, erinnert sich an Sosau, an das Hagensdorfer Schloß, an die Ruine Hassenstein, verweilt bei den schwarz- weiß- Zeichnungen der idyllischen Gässchen und Winkel der einst so vertrauten Deutschherrenstadt, erkennt das Elternhaus, das heute nicht mehr steht.
Der Marktplatz, die Dreifaltigkeitssäule.... Man ahnt die Schleier der Vergangenheit hinter der Ignatiuskirche, die Kühle der frühen Stunde, die einen frösteln macht., sodass man wie die ersten Besucher des Wochenmarktes sich zu den Würstelkanonen hingezogen fühlt, wo man zu frisch geriebenen Kreen die dampfende Köstlichkeit der "Frankfurter von Mittelbach" sich einverleiben kann. Die freundliche Frau mit der weißen Schürze wünscht fröhlich "einen guten Morgen". Erinnern Sie sich ? und der Spielwarenstand neben der Stadtkirche? " ja" sagt Karl Heinz Wagner und lächelt beglückt und verschmitzt. "Ja,... das war meine Großmutter!" die mit den Holzspielwarenstand. Ein kaum wahrzunehmendes Schmunzeln huscht über Frau Lilos Gesicht. Sie schweigt, ganz ihrer Handarbeit hingegeben.
Weiter blättert man im Buch der Erinnerungen, - die Kirchenmaler Gebrüder Hennlich, bei denen Wagner gelernt hat, treten lebendig aus dem Schatten der Vergangenheit. Der eine der beiden Brüder eilte mittags und abends zu gewohnter Stunde von der Werkstatt in die Richard Wagner- Strasse durch die Kantstraße zu seiner Wohnung. Munter und fröhlich funkelten die Augen hinter den Brillengläsern. Verbindlich grüßte er nach allen Seiten. Die ganze, nicht allzu große Gestalt verriet Beweglichkeit und Freude am Leben. Wie alles im Gespräch wieder deutlich wird!

Altstadtfest in Dietzenbach
Dann führt uns Karl Heinz Wagner ins obere und oberste Stockwerk. Er zeigt uns sein Atelier, sein Reich. Unordnung ? Nein, die gibt es hier nicht. Alles ist ordentlich, wohlgeschlichtet. Alles ist an seinem Platz. Man hat den Eindruck, als ob heimlich Heinzelmännchen dem Maler zur Seite stünden und sein Werken mit peinlichster Sorgfalt überwachten. Kann ein schaffender Künstler übrhaupt so genau und ordentlich sein ?
Trotzdem überall angefangene Bilder, Entwürfe, Versuch, Experimente. Auch Wagner ringt wie alle schöpferischen Menschen mit neuen Ideen, die sich vom Erprobten, Langgeübten lösen wollen. Die Ungeduld des Herzens möchte neue Wege gehen.....von Bewunderern und Freunden mitunter gutgeheißen, oftmals nicht verstanden.
Die Zeit eilt. Durch den Spätnachmittag fahren wir wir nach Frankfurt zum Bahnhof, beschenkt mit einer Fülle von Eindrücken.
Mögen Karl Heinz Wagner noch viele, viele Jahre in seinem Reich beschieden sein, Erfolg und Schaffen, Anerkennung seines Gestaltens, Verständnis seiner inneren Schau, die er in Form und Farbe festhalten und den Menschen dartun will. Kritik steht dem Berufenen zu. Wagner erleben, war wunderbar.
E nusse jo, 
blei mer nuch e weng do!
Erzgebirgisches Volkslied
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü