Die Presse - Karl Heinz Wagner- Leidenschaft zur Kunst

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Dietzenbach - Die Leidenschaft Kunst prägt Karl Heinz Wagner bereits sein ganzes Leben lang. Mittlerweile ist er 92 Jahre alt, aber auch das bremst den Künstler und Zeichner nicht, weiterhin seiner großen Liebe nachzugehen. Von Patrick Eickhoff

„Hier geht’s lang, an meinem persönlichen Mercedes vorbei“, sagt Karl Heinz Wagner und schreitet langsamen Schrittes in seine Galerie. Doch zwischen seinen Bildern steht kein Auto, sondern ein Rollator. „Den brauche ich mittlerweile leider.“ Nach einem Sturz und anschließender Hüft-Operation vor drei Jahren musste der 92-Jährige das Laufen neu erlernen. Anzumerken ist ihm das nicht. „Ich versuche noch, so wie es geht, ohne Stock und Rollator auszukommen.“

Wer durch das Fachwerkhaus Wagners zur Galerie schreitet, kommt um die Kunst gar nicht herum. Im Wohnzimmer stapeln sich Videokassetten mit Filmen und Dokumentationen von Künstlern wie Salvador Dali und Pablo Picasso. Es stapeln sich Bücher von Ausstellungen sowie Erinnerungen. „Vieles davon schaue ich mir regelmäßig an.“
Zwischen all den Erinnerungen liegt ein dickes blaues Buch. „Karl Heinz Wagner – Erinnerungen und Begegnungen“ ist dort zu lesen. „Das hat mein Neffe erst kürzlich fertig gestellt“, sagt er stolz. Ein Blick hinein lässt vermuten, wo seine Wurzeln liegen, denn neben deutschen Texten, ist alles auf Tschechisch übersetzt.
Am 24. Mai 1925 wird Wagner im Sudetenland geboren. Nach harten Jahren wird seine Familie 1946 vertrieben und über viele Stationen, darunter auch Offenbach, landet er schließlich 1964 in Dietzenbach. Doch schon mit 14 Jahren beginnt er seine Lehre zum Kirchenmaler. „Ich hatte damals schon ein sehr großes Interesse an Kunst“, sagt er. Zwischenzeitlich ist er als Reklamemaler in verschiedenen Firmen beschäftigt. „Schilder und Plakate gehörten dazu, aber nebenbei habe ich schon immer an meinen eigenen Werken“ gemalt.
Wenn er auf seine Bilder zu sprechen bekommt, dann spricht der Rentner mit einer unglaublichen Begeisterung und dabei hat er sich nie einer einzigen Form zugeschrieben. „In der Jugendsprache würde man vermutlich sagen, ich bin so etwas wie ein Allrounder.“Und das bestätigt die Auswahl in seiner Galerie, die er 1965 eröffnet hat. Dort hängen Zeichnungen, Aquarell, Acrylbilder von Landschaften und Stillleben. Das letzte Bild hat er vor seinem Unfall gemalt. „Ich vermisse es schon, aber es geht einfach nicht mehr so, wie ich möchte.“
Der Körper macht Wagner nicht nur seit seinem Beckenbruch zu schaffen. Eine starke Gelbsucht im Alter von 40 Jahren, Nierenversagen, nachlassende Sehkraft – das alles hindert ihn nicht daran, die Liebe zur Kunst aufrecht zu erhalten. Gemeinsam mit einem alten Freund hält er seine Homepage auf aktuellem Stand. Als Mitbegründer des Dietzenbacher Künstlerkreises wird er auch dort zu Ausstellungen eingeladen. „Da muss ich dann allerdings abgeholt werden, sonst dauert das zu lange.“
In seiner Galerie haben verschiedene Künstler ausgestellt. Kollegen von der Städelschule-Abendschule, die er besucht hat, aber auch Künstler aus Kanada, Frankreich und ganz Deutschland stellten hier ihre Werke aus. „Da waren echt viele schöne Ausstellungen dabei“, erinnert er sich zurück. Bis vor dem Unfall hat er seine Galerie noch regelmäßig geöffnet. Heute macht er nur noch an Veranstaltungen wie dem Trinkbornfest oder dem Lichterfest auf. „Da laufen hier viele Leute vorbei und schauen mal rein.“ Da es mit dem Malen nicht mehr ganz funktioniert, widmet sich der 92-Jährige nun seiner neuen Leidenschaft: dem Fotografieren. „Ich gehe auch gerne mal raus und knipse ein paar Bilder im Garten“, sagt er. Wenn ein schönes dabei ist, werden diese auf seine Homepage gestellt. „Das entschädigt wenigstens etwas, wenns mal zu sehr kribbelt in den Fingern.“
 
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